No more Punk im Dorftrottel

 

Angesichts vieler offener Fragen, Vorwürfe und Diskussionen zur aktuellen Lage des „AZ Dorftrottel“, wollen wir, Dr. Ulrich Undeutsch, uns mit diesem Statement zur politischen Kehrtwende im AZ Dorftrottel positionieren.
Das AZ Dorftrottel Waldkirchen (Erz.) war für uns viele Jahre ein geliebter Anlaufpunkt, wenn es um Punk-& Hardcorekonzerte ging. Es war eine Alternative zur erzgebirgischen Tristesse mit seinen konservativen Kleinbürger*innen, Nazis und Dorffesten. Das AZ Dorftrottel kann also durchaus als Wiege unserer Band und unseres alternativen Werdegangs bezeichnet werden. Folgender Text soll ein paar Hintergründe aufzeigen, weshalb dieses romantische Bild der Vergangenheit angehört.

Der aktuelle Zustand ist leider hausgemacht und zeigt vor allem, welche Richtung ein alternatives Zentrum einschlagen kann, wenn der Verein aufgrund der Besitzverhältnisse von einer Person abhängig ist. So haben es in der Vergangenheit die vorherrschenden Eigentumsverhältnisse (Frank H. ist Eigentümer des Haus- und Hofkomplex, in dem das AZ untergebracht ist) für die (ehemaligen) Akteur*innen oft nur schwer möglich gemacht, Interessen im AZ Dorftrottel durchzusetzen, die von Franks Meinung abwichen. Es wurde zwar nach innen und außen immer Basisdemokratie beschworen, jedoch stehen und fallen Entscheidungen im AZ Dorftrottel mit seiner Person. Dadurch scheiterten in der Vergangenheit viele Ideen, Projekte und Vorhaben durch sein Veto. Mittlerweile haben sich fast alle ehemaligen Aktiven aus dem Verein verabschiedet, da sie Franks Verhalten für untragbar halten. Dies hat zur Folge, dass es kaum noch Menschen gibt, die seinem verqueren Meinungsbild noch etwas entgegenzusetzen haben, sofern sie es überhaupt wollen. Auch wenn er oft darstellt, er sei nicht das AZ Dorftrottel, muss diese Aussage, vor allem beim jetzigen Zustand des AZ, als eine grobe Fehleinschätzung seinerseits festgehalten werden: Durch die Eigentumsverhältnisse bestimmt/e er maßgeblich das innere und äußere Erscheinungsbild des AZ Dorftrottels.

Mit Verwunderung und Erschrecken mussten wir im letzten Jahr zur Kenntnis nehmen, dass speziell Frank einen Blick auf die Corona-Pandemie entwickelte, der eher zur allgemeinen Querdenker*innen-Meinung, à la „Ich habe keinen Bock auf Masken und um das irgendwie zu rechtfertigen, spiele ich den Unterdrückten und zeige auf die da oben“ passt, als zu einer aufgeklärten, widerständigen und linksalternativen Subkultur. Bereits im März 2020, als 100Kilo Herz ihr Konzert aus Sicherheitsgründen absagten, wurde dies von Frank (alias Waltraud Gaier) auf Facebook mit folgenden Worten quittiert: “Yo, leider traurig, daß die Band-Herrschaften sich von allgemeiner Hysterie anstecken lassen und absagen – der Untergrund war mal lebhafter……wenigstens sind alle gegen Staat und Nazis usw…“ – als ginge es bei Widerständigkeit gegen den Staat darum, möglichst auf alles zu scheißen, nur um sein Gesicht in der Szene nicht zu verlieren. Es wird versucht, der Band eine Art Scheinwiderständigkeit bzw. bloße Verbalradikalität zu unterstellen, frei nach dem Motto: Wenn es hart auf hart kommt, ziehen die zurück und kneifen. Mitte März ließ Waltraud Gaier dann via FB verlauten: „“WIR MACHEN KONZERTE!!!!!!!! Wo sind die glorreichen Bands, wo steht der Punkrock aktuell?? Wir wollen feiern!!!!!“ Es scheint, als würde Franks Auffassung von Punkrock auf Selbstzerstörung und die völlige Negierung vorherrschender Umstände beschränkt sein – ein politischer Anspruch fehl am Platz.
Demnach war es auch kein Wunder, dass die Sympathien zu den Querdenkenden nicht lange auf sich warten ließen, schließlich wurde auch die Facebook-Seite von „Querdenken 711“ geliked und deren Inhalte geteilt. In der Hoffnung, es sei vielleicht ein Versehen, da diese Bewegung bereits seit ihrer Gründung völlig untragbar war, wurde er von mehreren Personen darauf angesprochen. Seine Erklärung hierzu war, er sei in Berlin von einem „Alternativ-Hippie“ über die neue Bewegung aufgeklärt worden und befand diese als durchaus teilenswert – Gegenstimmen wurden von ihm u.a. als dogmatisch und medientreu betitelt. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits einige progressive Texte von linken Gruppen, die eine Kritik aus antikapitalistischer, sozialer Sichtweise formulierten und hätten geteilt werden können, wenn denn der Wille dagewesen wäre.  Was nicht passierte, ist eine Distanzierung von diesem oder vorangegangenen Posts. Im Gegenteil, es ging immer weiter in diese Schlagrichtung steil bergab – teils über Beleidigungen auf Facebook gegenüber Menschen, die Corona nicht nur als eine Art Grippe abtun und teils über weitere verstörende Posts. So wurde bspw. ein Artikel vom Multipolar Magazin geteilt, mit dem Titel „Es geht nicht um Gesundheitsschutz“, der u.a. auch auf kenfm.de zu finden ist und die geistige Nähe von Frank recht gut verdeutlicht (kenfm.de wird betrieben von Ken Jebsen; Anhänger und Verbreiter von Verschwörungstheorien). In diesem Post schreibt Frank dazu „Das ist echt gut verfasst. Die Herausgeber sagen mir jetzt nicht viel, aber schöne Aussagen! …“  Der politische Wandel innerhalb des AZ Dorftrottels wird auch von einigen Mitstreiter*innen unterstützt. So wurden antifaschistische Strukturen und Kritiken am fehlenden politischen Konzept des AZ stets als „dogmatisch“ abgetan; eine eindeutige öffentliche Positionierung gegen Rechts wurde abgelehnt.

Dabei hat das AZ Dorftrottel jahrelang von antifaschistischen Strukturen profitiert – sei es Image-technisch oder finanziell. Einerseits gab es Konzerte mit antifaschistischen Bands oder klar antifaschistische Veranstaltungen, die wiederum Geld in die AZ-Kasse gespült haben. Andererseits hat das AZ Dorftrottel vom Image als antifaschistischer Laden profitiert. Es schmerzt mit anzusehen, dass diese Gelder aus einer Szene mit engagierten, enthusiastischen Leuten, die etwas bewegen wollten, in einem Laden versickern, der immer unpolitischer wird, wobei unpolitisch wohl bedeutet sogar mit Verschwörungstheoretiker*innen und rechtsoffenen Meinungen zu paktieren und jegliche konstruktive Kritik als lästig und staatshörig abzustempeln. Die Bezeichnung „Alternatives Zentrum“ ist somit nur noch mehr Schein als Sein, da der einzige Unterschied zu den hiesigen Kleinbürger*innen im Tragen von bunten Haaren, der obligatorischen Lederjacke oder eingefärbten Stiefeln besteht.

Für uns als Band Dr. Ulrich Undeutsch bleibt somit die einzige Konsequenz der deutlichen Distanzierung vom AZ Dorftrottel in seiner jetzigen Form. Auch wenn wir einige Dinge an den Corona-Maßnahmen zu kritisieren haben, können wir eine derartig rückwärtsgewandte, rücksichtslose und verdrehende Auffassung nicht tolerieren. Hinzu kommt das Stimmungsbild zu antifaschistischen Strukturen, was es für uns als Band, die sich u.a. als klar antifaschistisch versteht, verunmöglicht, mit der jetzigen Zusammensetzung des AZ Dorftrottels in irgendeiner Art zusammenzuarbeiten. Dass wir damit nicht die ersten sind, ist an diversen Absagen anderer Veranstalter*innen zu sehen, bei denen das AZ Dorftrottel Essensstände sowie das Bandcatering übernommen hätte, wie z.B. bei der Absage der Veranstalter*innen des „Stains in the Sun“-Festivals und des Antifaschistischen Jugendkongress im letzten Jahr.

Grundsätzlich spielen wir nicht in Locations, die durch Verschwörungstheorien oder Querdenkerblödsinn auffallen, bzw. aufgefallen sind und eine Aufarbeitung vermissen lassen. Umso trauriger ist es nun, dass dies auf einen Ort zutrifft, in dem wir teilweise sozialisiert wurden und einst selbst aktiv waren. Doch es ist uns wichtig dazu Stellung zu nehmen, da viele von unseren langjährigen Weggefährt*innen uns mit dem AZ Dorftrottel in Verbindung bringen. Außerdem möchten wir sowohl Bands als auch Publikum warnen, bevor sie das AZ besuchen, da der witzige Punk-Abend, den sie erwarten, wahrscheinlich etwas anderes ist, als das was sie bisher kannten: Es ist nicht unwahrscheinlich auf unangenehme Menschen zu treffen, sowohl im Publikum als auch von Seiten der Veranstaltenden.

Jede Band und jede*r Veranstalter*in muss selbst entscheiden, wieviel Punk noch in diesem Verein steckt und ob das AZ Dorftrottel die richtige Plattform für Auftritte und Veranstaltungen darstellt. Für uns tut es das in seiner jetzigen Form nicht mehr.
Zu dieser Problematik gibt es auch noch einen ausführlicheren Text inkl. diverser Quellen, die gern via PM nachgefragt werden können.
Ehemalige Mitglieder haben ebenfalls den Entschluss gefasst, sich dazu zu äußern. Ihre Stellungnahme kann unter den beiden folgenden Links nachgeschlagen werden:
https://www.az-dorftrottel.de/

 

 

 

 

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